Ausbildung Fallschirmspringen

Die Ausbildung erfolgt nach der Automaten- oder AFF-Methode. Bei der AFF-Methode springst Du aus 4000 m Höhe und erlebst - gehalten von zwei AFF-Lehrern - rund 2000m freien Fall, bevor Du selbst den Auslösegriff ziehst und Deinen Fallschirm zum Landeplatz steuerst. Um mit den nächsten Level fortzufahren mußt Du eine vorgegebene Aufgabe erfüllen. Die Aufgabe wird vor jedem Sprung mit den Lehrern am Boden vorbereitet und geübt. Wird das Ausbildungsziel in einem bestimmten Sprung nicht erreicht, so muß dieser wiederholt werden. Ab dem Level 4 wirst Du nur noch von einem Lehrer begleitet. Nach dem 7. Level machst Du Deinen ersten Solosprung. Es gibt praxisnahen Unterricht für die theoretische Ausbildung in den Fächern: Luftrecht, Meteorologie, Verhalten in Gefahrensituationen, Aerodynamik, Fallschirmtechnik und Erster Hilfe.

Die Prüfung: nach mindestens 28 Freifallsprüngen machst Du 2 Prüfungssprünge und einen Theorietest. Später kannst Du mit der Schulung zum Relativspringen (OBO) weitermachen.

12 Disziplinen im Fallschirmsport seit Jänner 2015
Zielspringen

Das Zielspringen gilt als älteste und ursprünglichste Fallschirmsportdisziplin.
Nach dem Absprung aus 1000 Metern über Grund gilt es den Mittelpunkt einer elektronischen Zielscheibe auf einer Zielmatte punktgenau zu treffen. Bei Wettkämpfen liegt der Durchmesser dieses „Nullpunktes“ inzwischen bei 2 cm.

Figurenspringen
Der Fallschirmspringer muss nach Verlassen des Flugzeuges im Freifall verschiedene Figuren in Form von Drehungen und Salti nach einem ausgelosten Programm so exakt und fehlerfrei wie möglich innerhalb kürzester Zeit springen.

Para-Ski
Dies ist eine Kombination aus der Disziplin Zielspringen und zwei Riesentorläufe. Der zeitliche Abstand im Riesentorlauf auf den Erstplatzierten wird pro Sekunde Rückstand mit einem Faktor von 3,2cm umgerechnet und zu den Ergebnissen aus dem Zielspringen addiert.

RW (Relativ Work) Freifall-Formationsspringen
Das Freifall-Formationsspringen ist eine der verbreitetsten Disziplinen innerhalb des Fallschirmsports.
Gleich nach Verlassen des Flugzeugs werden bei einer Geschwindigkeit um 200 km/h durch vorbestimmte Griffe an Armen und Beinen der Mitspringer die unterschiedlichsten Formationen gebildet. In Wettbewerben messen sich 4er bzw. 8er Teams untereinander.

Kappenformationsspringen (CFS)
Der freie Fall spielt in dieser Disziplin eine untergeordnete Rolle. Die Springer öffnen ihre Fallschirme meistens unmittelbar nach Verlassen des Flugzeuges, um dadurch mehr Zeit für die Arbeit am geöffneten Schirm zu gewinnen.
Wettkämpfer verwenden im Allgemeinen besonders konstruierte Schirme, die ein stabileres Flugverhalten sowie eine belastungsfähigere Bauweise und robusteres Material vorweisen.
Bei Wettbewerben treten Springer in 2er, 4er und 8er Teams gegeneinander an.

Freestyle
Sehr gute Körperbeherrschung ist hierfür die Grundvoraussetzung. Nach Verlassen des Flugzeuges werden bei einer Geschwindigkeit um 200 km/h Elemente aus dem Kunstturnen, wie zum Beispiel der Spagat oder Schrauben etc., zu einer Komposition zusammengefügt.
Bei Wettbewerben werden Kür- und Pflichtübungen bewertet. Ein mit springender Kameramann ist Teil des Teams und filmt das dargebotene Programm.

Freefly
Freefly ist eine noch junge Disziplin im Fallschirmsport. Aus dem Freestyle hervorgegangen, gibt es hier kaum noch Konventionen. Der Begriff „stabile“ Körperhaltung wurde gegen „kontrolliert“ getauscht. Das besondere Merkmal ist die Head-Down Position, bei dem der Springer, quasi im Kopfstand fliegend, Geschwindigkeiten von über 300 km/h erreicht.

Skysurfen
Der Fallschirmspringer verwendet ein eigens konstruiertes Brett, das durch eine Spezialbindung fest mit den Füßen verbunden ist und mit dem der Springer im freien Fall die verschiedensten Figuren fliegt.

Speedskydiving
Speedskydiving ist eine neue Disziplin des Fallschirmspringens mit dem Ziel in einem festgelegten Messbereich eine möglichst hohe Freifallgeschwindigkeit zu erreichen.
Sofort nach dem Ausstieg aus dem Absetzflugzeug aus einer Absetzhöhe von 4000m über Grund nimmt der Springer eine möglichst aerodynamische Körperhaltung - üblicherweise head-down - ein, damit er bei Beginn des Messbereichs 2700m über Grund seine schnellste Freifallgeschwindigkeit erreicht. Die Geschwindigkeitsmessung erfolgt durch zwei elektronische Messgeräte, die links und rechts am Gurtzeug befestigt werden. Die Mitnahme von Zusatzgewichten ist nicht erlaubt. Der Weltrekord liegt derzeit bei 531,42 km/h in einem Wertungssprung, gehalten von Marco Wiederkehr (SUI).

Canopy-Piloting (Swooping)
Nach dem Verlassen des Flugzeuges werden die Schirme sofort geöffnet. Für diese Disziplin werden sehr kleine (8–9 m²) und agile Hochleistungsfallschirme durch eine Drehung beschleunigt. Diese Drehung beginnt in ungefähr 200–350 Meter Höhe. Der Fallschirmspringer erreicht dabei eine Vertikalgeschwindigkeit von 120 km/h und mehr. Die so aufgenommene Geschwindigkeit nimmt man dann in einen langen Gleitflug, den „Swoop“, mit. Je nach Windstärke fliegt man nun mit über 130-150 km/h direkt über dem Boden. Offizielle Wettkämpfe nach den FAI-Regeln sind aufgeteilt in die Disziplinen Distance (Weite), Accuracy (Genauigkeit) und Speed (Geschwindigkeit).

Wingsuit
Ein Wingsuit ist ein spezieller Anzug für Fallschirmspringer mit Flächen aus Stoff zwischen Armen und Beinen, die von Luft durchströmt als Flügel wirken. Der freie Fall wird teilweise in eine horizontale Flugbewegung umgewandelt. Es wird dadurch eine Gleitzahl bis zu 1:3, d. h. auf 1 m Sinkflug 3 m Horizontalflug, erreicht. Seit 2015 ist Wingsuit eine eigene Disziplin im Fallschirmsport. Der 1. Weltcup findet im Mai 2015 in England satt.

Indoor Skydiving
In einem Vertikalwindtunnel können ohne Hilfsmittel (Flugzeug, Fallschirm) allein durch die Kraft der vertikal erzeugten Luftströmung Figuren aus den Disziplinen Freefly, RW und Freestyle vollführt werden. Der bis zu 286 km/h schnelle Luftstrom im Windtunnel ist so gleichmäßig wie bei dem Freifall eines echten Fallschirmsprungs.
Die 1. WM findet im Oktober 2015 in Prag statt.

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